Freudenstadt: Vom alten Foto auf das Zeichenpapier – Schwarzwälder Bote Heimatgeschichte: Veränderungen im Stadtbild im Lauf der Zeit sind Thema des Projekts Schwarzweißwald

Wie haben sich Freudenstadt und Bad Rippoldsau-Schapbach über die Jahrzehnte verändert? Was ist erhalten geblieben? Damit befasst sich ein Ehepaar aus Schapbach in seinem Foto-Projekt „Schwarzweißwald“.

Freudenstadt/Bad Rippolds­au-Schapbach. Sie sind tausende von Kilometern voneinander entfernt aufgewachsen. Svetlana Norenberg in Kirgisistan, Alexander Anan­­y­ev in der russischen Stadt Kasan. Dennoch sah die Architektur der Städte, in denen sie lebten, beinahe identisch aus. Einfach, universell, wie das in der ehemaligen Sowjetunion eben üblich war.

Ganz anders dann das Bild, als sie nach Deutschland kamen, erinnert sich Norenberg: „Uns ist aufgefallen, wie vielseitig die Architektur hier ist und wie gut alles historisch erhalten ist. Auch sind viele historische Dokumente noch vorhanden. In Russland zum Beispiel ist das ganz anders. Dort gibt es kaum Archive und wenn doch, hat man als Bürger keinen Zugriff darauf.“ So wurde die Idee für „Schwarzweißwald“ geboren.

Vergleich historischer und neuer Aufnahmen

Norenberg und Ananyev lernten sich während einer gemeinsamen Tätigkeit am Deutschen-Historischen Institut in Moskau kennen. Sie ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland, er seit 2014. 2012 haben sie jedoch schon in Schapbach geheiratet, weil Teile ihrer Familie bereits dort lebten. „Schapbach ist unser Nest“, sagen sie. „Schwarzweißwald“ startete im Sommer 2015. Norenberg und Ananyev besorgten sich historische Aufnahmen von Freudenstadt und Schapbach beim Landesarchiv Baden-Württemberg. „Ich stand dann mit dem Laptop mit dem alten Foto darauf da, und Alexander fotografierte das Motiv mit dem gleichen Bildausschnitt“, erzählt Norenberg lächelnd.

Auf ihrer Webseite www.schwarzweisswald.de, die Anfang 2016 online ging, kann man sich die alten und neuen Aufnahmen einander gegenübergestellt ansehen. Ein Regler auf den Fotos lässt sich verschieben, sodass mal mehr von dem alten, mal mehr von dem neuen Foto zu sehen ist. Zu sehen sind zum Beispiel das Freudenstädter Stadthaus oder die Pfarrkirche St. Cyriak in Schapbach. „Wir empfinden es auch als beruhigend, dass sich viele Orte kaum verändert haben“, sagt Norenberg, „in unserer Heimat ist das ganz anders. Die Städte, in denen wir aufgewachsen sind, sind über die Jahre kaum noch wiederzuerkennen.“ Die Wortschöpfung „Schwarzweißwald“ stammt von Ananyev.

Doch nicht allen liegt das Medium Internet. Für sein Projekt würde das Paar gern auch private, historische Fotografien nutzen. Aber viele Leute würden ihre Bilder nicht für das Web hergeben wollen. „Einmal kam als Argument sogar ›Ich hasse Internet‹“, erinnert sich Norenberg. Über das Internet hatten sie die russische Künstlerin Anna Shulik kennengelernt. Mit ihr wagten Norenberg und Ananyev vor einer Weile den Schritt „ins Offline“.

Shulik erstellt in ihrem Atelier in Sankt Petersburg Zeichnungen sowohl anhand alter als auch anhand moderner Fotos. Diese sind auf der Webseite zu sehen und als Postkarten erhältlich. Kostenlos, denn das Projekt soll nicht kommerziell sein. Bisher werden die Kosten von Norenberg und Ananyev ausgelegt. „Das ist unser Beitrag“, sagen sie. Wozu? „Vielleicht zur Integration“, meint Norenberg und lacht. Regelmäßig werden sie als Lokalpatrioten bezeichnet. Erhältlich sind die Postkarten unter anderem an der Tourist Information in Freudenstadt und im Schapbacher Rathaus.

Wandkalender soll bald herausgebracht werden

Interessierte können auch Zeichnungen von Fotos in Auftrag geben. Für das nächste Projekt, einen Wand­kalender, wäre nämlich doch eine kleine „Finanzspritze“ nötig. Shulik hat zwölf Zeichnungen zu Fotos von Freudenstadt ­erstellt, die um 1900 gemacht wurden.

Nun müssten die Druck­kosten des Kalenders vorab ausgelegt werden. Der ­Kalender soll später auch nur für den Preis verkauft werden, der nötig ist, um die Herstellungskosten zu decken.

„Wir sind offen für alle“, ist den beiden abschließend noch wichtig. Sie seien dankbar über jeden, der sich als Fotograf, Regional­historiker oder vielleicht sogar als Sponsor für den Kalender an dem Projekt beteiligen würde.

Schwarzweißwald kommt in der Presse!